Oh du schöne Clubferien!

Spätestens bei der ersten Mahlzeit frage ich mich, wie ich immer wieder darauf rein fallen kann. Das Angebot hörte sich einfach zu schön an. Zwei-Zimmer Appartement mit Meeresblick direkt am Strand, Kinderbetreuung praktisch den ganzen Tag, riesiger Kidssplashpool und Minidisco (jaja, sind die Kinder glücklich sinds s’Mami und dä Papi au blablabla usw…). Ausserdem 5.5 Punkte bei Holidaycheck und 94% Weiterempfehlung. Da KANN man ja wohl nichts falsch machen! Oder? Ankunft, Check-in mit Plastikbändeli fassen und Zimmer beziehen, wobei direkt am Strand nicht ganz wörtlich zu nehmen ist. Immerhin die Aussicht stimmt. Vor dem Abendessen noch ein kurzer Abstecher zum Kidspool. Fantastisch! Sogar freie Liegestühle hats. Abends um 17:30. Den Kindern gefällts, es wird geplanscht, getobt und gequitscht. Uff, die latente Anspannung bezüglich Erfüllung unserer Erwartungen lösen sich etwas. Dann kommts. Das erste Abendessen. Ziemlich voll, denken wir. Der Umgangston unter den Feriengästen nicht immer ganz so umgänglich wenns um den nächsten freien Tisch geht. Und dabei ist ja noch nicht mal alles ausgebucht. Schliesslich haben die Schulferien in vielen Regionen im grossen Kanton nördlich von uns noch nicht angefangen. Wir nehmens gelassen. Nächster Tag. Kids ab in den Miniclub. Der eigentliche Grund sich Clubferien anzutun. Passt! Den Kindern gefällts einmal mehr. Wir zu den Pools. Freie Liegestühle? Fehlanzeige. Leute hats auch nicht. Aber jede Menge Handtücher. In der Schämiecke noch zwei einzelne freie Liegestühle. Jeeehhhh, usere! Eine Stunde in der prallen Sonne bei 30° Celsius. Ein abseits stehender, verwaister Sonnenschirm findet im Angesicht schweisstreibender Schwerstarbeit den Weg zu uns. Nach 10 Minuten kommt ein Bademeister und weist darauf hin, dass auf diesem vertrockneten braunen ehemalgiem Rasenstück keine Sonnenschirme erlaubt sind. Charmant entschuldigt sich mein Mann auf spanisch und erklärt dem pflichtbewussten Mann, dass wir das nicht gewusst haben und er den Schirm gerne mitnehmen darf. Der Gute ist positiv angetan, meint ihm persönlich seis ja völlig egal und mit Blick auf den schweren Sockel, es sei schon okay. Während der kommenden Stunde beehrt er uns immer wieder mit kurzen Besuchen um ein paar Worte mit meiner besseren Hälfte zu wechseln. Dann nach etwa 2 Stunden das unvermeidliche. Ein rotbäuchiger Deutscher kommt….und an dieser Stelle möchte ich mit allem Nachdruck festhalten, dass ich überhaupt nichts gegen Deutsche habe, im Gegenteil, einige der tollsten Meschen die ich kenne stammen aus diesem Land! ….und behauptet der Sonnenschirm GEHÖRE ihm. Wir sind sprachlos und reagieren nicht. 10 Minuten später kommt seine Partnerin und findet, wenigstens fragen hätten wir ja können. Ja, finden wir auch, wenn der Schirm geöffnet, sonst wie benutzt oder wenigstens beschriftet ausgesehen hätte. Unter dem mitleidigen Blick des Bademeisters wird der Schirm ohne ein weiteres Wort weg gehievt….wohlverstanden nicht wirklich an seinen Ursprungsplatz zurück….Wir haben auch Mitleid. Mit diesem Pärchen, welches offensichtlich ganz ohne Kinder freiwillig hier ist. Und irgendwie auch aus ganz vielen anderen Gründen.

Also gut, ich hasse mich gerade selbst dafür, dass ich, als überpriveligierte Person mit Wahlmöglichkeiten, mich über so etwas auslasse. Aber neben den schönen und idyllischen Bildern, die schon haufenweise entstanden sind, war es mir gerade ein spontanes Bedürfnis diesen Text in mein Smartphone zu tippen. Glückliche Kinder alleine reichen mir wohl nicht.

Bevor es jetzt mitleidige oder berechtigt sarkastische Kommentare hagelt….warum ich das poste? Ich habs mühselig unter Kindergeschrei und -gespritze auf dem um 7:00 Morgens reservierten Liegestuhl getippt. Wozu? Um die unproduktive Zeit, welche die Kinder im Kidsclub verbringen auszufüllen. That’s it. Happy Holidays!